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Wissenswertes über Seide

Seide ist eine feine Faser, die aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen wird.

 

Die Seide kommt ursprünglich aus China und war eine wichtige Handelsware. Die Chinesen entdeckten vor 5000 Jahren, wie man Seide herstellt. Man erzählt sich mehrere Geschichten über die Entdeckung der Seide im alten China. Eine davon ist: Die Frau des Kaisers (Lei Zu) wem diese Entdeckung zuzuschreiben ist, ist besonders klug. Eines Tages, beobachtete sie bei einem Spaziergang eine Seidenspinnraupe, wie sie ein Kokon spann, in dem sie die Verwandlung zu einem Schmetterling vollziehen wollte. Bei diesem Anblick kam Lei Zu auf eine brillante Idee. Sie ließ die langen Seidenfäden vom Kokon abwickeln und zu Stoff verweben. Das gelang ganz gut. Damit begann die chinesische Seidenkunst zu erblühen. Viele Menschen haben seit dem an der Produktion weiter gearbeitet.

 

3000 Jahre lang blieb die Seidengewinnung ein wohl gehütetes chinesisches Staatsgeheimnis. In China stand die Ausfuhr von Maulbeerbaumsamen und Seidenraupeneiern unter Todesstrafe.

 

Das machte die Seide im fernen Europa besonders kostbar und begehrenswert. Ein Kilogramm Seide mußte mit einem Kilogramm Gold aufgewogen werden. Das machte nicht nur die Chinesen reich, sondern auch die unzähligen Zwischenhändler an der Seidenstraße.

 

Die Seidenstraße ist die wohl bekannteste und älteste Handelsroute der Welt. Der gut 10.000 Kilometer lange Weg führte durch Steinwüsten und Sandberge, vorbei am nördlichen Himalaya nach Byzanz und schließlich nach Rom. Aber nicht nur Waren wie Seide, Porzellan und Gewürze wurden entlang dieser Straße gehandelt. Es fand auch ein reger Austausch kultureller und geistiger Güter statt. Viele Reisende kehrten mit neuen Liedern, Geschichten und wissenschaftlichen Erkenntnissen in ihre Heimat zurück.

 

Es gibt viele Geschichten darüber, wie die Seidenraupe nach Europa gelangt ist. Die bekannteste ist daß, Jahr 555 n. Chr Kaiser Justinian I. schickt zwei Mönche nach China. Bei ihrer Rückkehr schmuggeln sie Raupeneiern und Maulbeersamen in ihren Spazierstöcken bis nach Konstantinopel. Das Wissen um die Zucht der Seidenraupen und um die Herstellung der Gewebe breitete sich fortan in Europa aus.

 

 

Um 200 nach Christus war die Seidenherstellung in China auf ihrem höchsten Niveau. Es wurden klassische Seidenstoffe angefertigt, aber auch transparente Gaze, Seidendamast und Seidenbrokat. Die Stoffe waren aufwendig bestickt oder mit herrlichen Seidenmalereien verziert. Irgendwann stand die Hochzeit der chinesischen Kaisertochter mit dem Fürsten Kothan an.

 

Da sie in ihrer neuen Heimat nicht auf ihre liebgewonnenen Seidengewänder verzichten wollte, soll sie Samen des Maulbeerbaumes und Eier der Seidenspinnerraupe in ihrer Frisur versteckt und geschmuggelt haben.  Das Wissen um die Seidengewinnung von Kothan verbreitete sich aus in alle Welt. Auch darüber, wie die Seidenspinnerraupe ihren Weg nach Europa fand.  

 

Nachdem in Byzanz bekannt geworden war, wie die chinesische Seide hergestellt wird, gelangte das Wissen recht bald auch nach Griechenland und nach Arabien. Im 8. Jahrhundert richteten die Araber Seidenwerkstätten in Spanien ein, wo durch die Spanier ebenfalls in die Seidenherstellung eingeweiht waren. Um 950 lernten dann auch die Italiener von den Arabern, wie Seide gewonnen wird.

 

Die erste Werkstatt für Seidenstoffe und Seidenkleider entstand in Palermo. Kurz darauf wurden in Lucca und Venedig Seidenwerkstätten gegründet, danach folgten Florenz, Genua, Pisa und Bologna. Das Geschäft mit der Seide verlief überaus erfolgreich und bis in 16. Jahrhundert hinein war Italien in Sachen europäische Seide führend.

 

Auch die Franzosen importierten Seide aus Italien und Lyon wurde zum wichtigsten Umschlagplatz.

 

Auch deutsche Könige und Fürsten gefielen sich in Seide. Sie kauften luxuriöse französische und italienische Seidenstoffe. Friedrich der Große wollte es billiger haben. Er ließ Maulbeerplantagen und Seidenraupen-Zuchtanlagen bauen.   Bei Bacharach und Kaub sollten Tausende von Maulbeerbäumen in die Weinberge gepflanzt werden. Das Projekt scheiterte, die Winzer wehrten sich.

Heutzutage sind China, Indien, Japan, Brasilien und Thailand die größten Seidenproduzenten. in Rußland und Nordkorea sowie in Bulgarien findet man immer noch ein paar Produzenten.

 

Seide ist eine natürliche und organische Materie, die Königin der Naturfasern. Seide enthält Aminosäuren und natürliche Proteine.

 

Neben der Eleganz, dem geschmeidigen, weichen Griff, exzellent Luftdurchlässigkeit, einem unverwechselbaren Glanz, und eine Fähigkeit ultraviolette Strahlen zu absorbieren sind es vor allem auch die ausgezeichnete Trageeigenschaften, die Leichtigkeit und Hautverträglichkeit. Der organische Aufbau der Seide kommt der menschlichen Haut am nächsten.

Besonders erwähnenswert sind seine natürliche Affinität mit der Haut und hohen Biokompatibilität, zwei Eigenschaften, die erklären, warum Seide schon so lange als Material zur chirurgischen Faden verwendet. Neuere Anwendungen für Seide sind für künstliche Haut, Kontaktlinsen und medizinischen Sensoren entwickelt.

 

Seide läßt die Haut atmen und wirkt stimulierend. Außerdem wirkt sie temperaturregulierend: Sie kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte. Sie kann bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich naß anzufühlen. Seide  trocknet schnell. Die Oberfläche ist Schmutz abweisend und unempfindlich gegenüber Gerüchen.

Seide ist  sehr starke, läßt sich um rund 15 Prozent dehnen, ohne zu reißen.

 

Lange war Seide ein Luxusgut, das sich nur die Reichen leisten konnten. Heute ist Seide überall einsetzbar: in Bettdecken, Schirmen, Schal, Unterwäsche, Zahnseide, Fallschirme. Der leichteste Stoff der Welt auch zum Favoriten der Luftfahrt: Das erste Motorflugzeug und die frühen Fallschirme fliegen dank Seide.

Auch in die Schönheitsindustrie  Seidenproteine sind optimale Feuchtigkeitsspender. Der seidene Faden bringt der Kosmetikbranche Millionen ein. 

 

Wissen Sie daß:

 

  • ein Seil aus Seide mehr Gewicht tragen kann als ein gleich dickes Seil aus Metall?

  • ein halbes Kilogramm Raupen im Laufe seines Lebens bis zu 12.000 Kilogramm Maulbeerblätter frißt?

  • ein Seidenspinner von Geburt bis zur Verpuppung das 40.000-fache seines Körpergewichtes in Form von Maulbeerenblättern verzehrt?

  • der Faden des Kokons durchschnittlich eine Breite von 20 um hat?
(um = Mikrometer, d.h. 1 millionstel Meter)

  • für die Gewinnung von1 Kilogramm Rohseide bis zu 10 Kilogramm des Kokons benötigt werden.

  • die Länge eines Kokonfadens mehr als 4000 Meter erreichen kann?

  • man über 25 Maulbeerbäume benötigt um ca. 3 Kilogramm Seide zu gewinnen?

  • man für ein Kleid aus Seide fast 70 Kilo Maulbeerblätter benötigt?


 

Im Vergleich zur gesamten Faserproduktion weltweit beträgt der Anteil an Seidenfasern unter 1%. Es ist also kein Wunder, das Seide als eine der wertvollsten Fasern gehandelt wird.

 

Ich hoffe, ihr habt wenigstens einen kleinen Eindruck von der Geschichte der Seide bekommen.

 

 

 Seidengewebe

Durch unterschiedliche Webverfahren oder Behandlungen entstehen verschiedene Seidenqualitäten. Typische Gewebearten bei Weiterverarbeitung der Seide sind:
Pongé
Jeder Faden verläuft abwechselnd oben und unten, in der nächsten Reihe versetzt. Die verwendeten Fäden sind nur leicht ineinander verdreht, so dass diese Seide eine glatte und feine Oberfläche erhält. Die Seidenmalfarben zeigen in Abhängigkeit vom Stoffgewicht auf Pongé sehr gute Fließeigenschaften, so dass diese Seide für sehr viele Techniken der Seidenmalerei geeignet ist.
 
Twill
Beim Weben werden die Fäden versetzt gewebt und es werden Fäden übersprungen (sogenannte Köperbindung). So entsteht ein schräg verlaufendes Muster. Twill ist besonders dicht und strapazierfähig.
 
Crêpe
hat eine unregelmäßige Struktur, die durch die unterschiedlich starke Drehung der verwendeten Garne entsteht.
 
Crêpe de Chine
ist in Taftbindung gewebt mit unterschiedlich stark gedrehten Seidenfäden.
 
Crêpe Satin
ist in Atlasbindung gewebt, was bedeutet, dass die Bindungspunkte einzeln verstreut sind. Die eine Seite ist hochglänzend wie Satin und die andere Seite matt und etwas unregelmäßiger (Crêpe-Charakter).
 
Chiffon
ist ein schleierartiges, transparentes Crêpe-Gewebe in Taftbindung. Da mit stark überdrehten Garnen gewebt wird, erscheint die feine Oberfläche unregelmäßig.
 
Georgette
ist wie Chiffon ein transparentes Crêpe-Gewebe in Taftbindung mit stark überdrehten Seidenfäden gewebt. Allerdings ist es weniger zart als Chiffon.
 
Jacquard
Joseph Marie Jacquard erfand 1805 Webstühle, die durch Lochkarten gesteuert wurden. Diese Technik ermöglicht ein gezieltes Überspringen von Fäden. So entstehen wiederkehrende Muster, die je nach Lichteinfall hell oder dunkel schimmern. Auf der Rückseite des Stoffes erscheint das Muster gegengleich.
 
Ideen-Gutta
Bei diesen Produkten ist bereits schwarze, goldene oder andersfarbige Gutta als Trennlinie auf die weiße Seide aufgetragen. So gestalten Sie Ihr persönliches Werk farbig mit Ihren Seidenmalfarben und fixieren es anschließend.

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